Insektenkunde


Eintagsfliegen (Ephemeroptera)

Ephemera danica       Nymphe von Ephemera danica

Einleitung

Die Eintagsfliegen - auch Maifliegen genannt - sind eine Ordnung der Insekten und umfassen ca. 2.800 Arten weltweit. In Europa kommen etwa 250 Arten vor, in Mitteleuropa 141. In Deutschland sind 112 Arten nachgewiesen.

Körperbau und Lebensweise

Die erwachsenen Eintagsfliegen besitzen weiche Körper mit sehr kurzen Antennen am Kopf. Ihre Mundwerkzeuge sind verkümmert; am Körperende sitzen 2 oder 3 lange Schwanzfäden. Bei den meisten Arten sind zwei Paar Flügel vorhanden, jedoch können die Hinterflügel beträchtlich kleiner als die Vorderflügel sein oder ganz fehlen. Eintagsfliegen können leicht daran erkannt werden, dass sie im Gegensatz zu allen anderen Insektenarten ihre Flügel nicht zusammenfalten können, sondern senkrecht nach oben stellen. Der Hinterleib wird beim Sitzen in einer nach oben gekrümmten Stellung gehalten. Sie sind schlechte Flieger und werden nur, wenn sie vom Wind verweht worden sind, in weiter vom Wasser entfernten Gebieten angetroffen.

Die Eintagsfliegen zählen zu den ältesten noch lebenden geflügelten Insektenarten und nehmen unter den Insekten insofern eine einzigartige Stellung ein, als sie sich nach Abstreifung der Larvenhülle in geflügeltem Zustand noch einmal häuten. Dieses geflügelte Insekt wird Subimago genannt und ist noch nicht geschlechtsreif. Nach einer letzten Häutung innerhalb weniger Minuten bis Stunden entsteht das endgültige geschlechtsreife Insekt (Imago). Erwachsene Eintagsfliegen nehmen keine Nahrung mehr zu sich und leben nur noch sehr kurze Zeit, manche nur wenige Stunden, andere mehrere Tage, was auch im wissenschaftlichen Namen der Ordnung Ephemeroptera (vom griechischen ephemeros = nur einen Tag lebend und pteron = Flügel) zum Ausdruck kommt.

Während dieser kurzen Flugzeit kommt es zu Paarung und Eiablage. Die Männchen bilden Flugschwärme und tanzen über dem Wasser auf und nieder um Weibchen anzulocken. Diese werden bei Annäherung an den Schwarm von einem Männchen ergriffen, worauf die Paarung in der Luft erfolgt. Die Eiablage geschieht bei den meisten Arten dadurch, dass das Weibchen im Flug den Hinterleib mehrmals ins Wasser eintaucht und dabei jeweils die Eier einzeln oder in Klumpen ablegt. Manche Arten vollziehen die Eiablage aber auch von im Wasser liegenden Felsen oder Steinen aus, wobei einige dabei sogar unter Wasser klettern. Nach der Eiablage ist der Lebenszyklus der Eintagsfliegen beendet; sie sinken aufs Wasser und sterben, wodurch sie eine Beute der Fische werden, sofern sie nicht bereits zuvor von Schwalben, Fledermäusen oder Libellen gefressen wurden. Die Dauer der Eientwicklung bis zum Schlüpfen der Larven ist wiederum artabhängig und beträgt im allgemeinen zwischen 10 Tagen und mehreren Monaten.

Die Larven der Eintagsfliegen verbringen ihre gesamte Entwicklungszeit im Wasser. Sie besitzen im Gegensatz zu den fertigen Insekten größere Antennen am Kopf, sowie funktionierende Mundwerkzeuge und tragen in der Regel drei Schwanzfäden am Körperende. Die Atmung erfolgt mit Hilfe von Kiemen am Hinterleib, die in vielen Fällen beweglich sind und in schwingende Bewegungen versetzt werden können, um eine größere Menge an Wasser an sie heranzuführen. Die Larven häuten sich bis zu 50 mal während ihres Aufenthalts im Wasser. Viele Larven - insbesondere die der kleineren Arten - leben in der Unterwasservegetation. Andere Arten graben Gänge im Gewässergrund und halten sich darin auf. Schließlich gibt es bauch- und rückenseitig abgeplattete Arten, die sich an der Unterseite von Steinen in rasch strömenden Gewässern anklammern. Die meisten Larven ernähren sich von pflanzlichem Material oder Detritus, es gibt aber auch Allesfresser und selbst räuberische Arten unter ihnen, die sich von Zuckmückenlarven ernähren. Die Dauer des Larvenstadiums beträgt in Abhängigkeit der Art zwischen 3 bis 4 Wochen und 2½ Jahren. Schlüpfreife Larven werden Nymphen genannt und sind an den schwarzbraunen Flügelscheiden zu erkennen, die bis zu den ersten Hinterleibssegmenten reichen. Unter der letzten Larvenhaut bildet sich die Körperdecke der Subimago aus. Zwischen den beiden Hautschichten sammelt sich immer mehr Luft, bis schließlich das Tier an die Wasseroberfläche getrieben wird. Die Verwandlung vollzieht sich bei vielen Arten auf dem Wasserspiegel, bei anderen an herabhängenden Zweigen oder aus dem Wasser ragenden Pflanzen, welche die Larven erklettert haben. Der Schlüpfvorgang einschließlich der Entfaltung der Flügel vollzieht sich in der Regel innerhalb weniger Sekunden.

  Lebenszyklus der Eintagsfliegen

Bedeutung

Eintagsfliegen stellen eine wichtige Fischnahrung dar und sind gute Indikatoren für die Gewässergüte. Künstliche Nachbildungen der Fliegen- und Nymphenstadien spielen bei der Fliegenfischerei eine wichtige Rolle.

Bestimmung der Eintagsfliegen

Zur Bestimmung der Subimagines und Imagines wird neben der Äderung der Flügel auch die Form der Fußglieder und der männlichen Geschlechtsorgane herangezogen, so dass sich die einzelnen Arten nicht allein anhand von makroskopischen Merkmalen identifizieren lassen. Bei der Bestimmung der Nymphen spielen ebenfalls meist nur mit dem Mikroskop erkennbare Merkmale wie z.B. der Bau der Mundwerkzeuge und Kiemenblätter bzw. -büschel eine Rolle. Immerhin kann der Geübte anhand von Charakteristika im Erscheinungsbild der Nymphen relativ schnell zumindest die Familie oder Gattung identifizieren. Einzelheiten zur Bestimmung sind der angeführten Bestimmungsliteratur zu entnehmen.

Familien, Gattungen und häufigste Arten in Mitteleuropa

Familie Gattung Art
Palingeniidae Palingenia longicauda
Polymitarcyidae Ephoron virgo
Ephemeridae Ephemera vulgata
danica
lineata
Potamanthidae Potamanthus luteus
Oligoneuriidae Oligoneuriella rhenana
Heptageniidae Epeorus

Ecdyonurus



Heptagenia


(Kageronia)
Electrogena

Rhithrogena
sylvicola
alpicola
venosus
torrentis
dispar
insignis
sulphurea
longicauda
flava
fuscogrisea
affinis
lateralis
semicolorata
germanica
Siphlonuridae Siphlonurus



Isonychia
aestivalis
alternatus
armatus
lacustris
ignota
Ameletidae Ameletus
Metreletus
inopinatus
balcanicus
Baëtidae Baëtis





Centroptilum

Cloëon

Procloëon
fuscatus
scambus
vernus
rhodani
muticus
niger
luteolum
pennulatum
dipterum
simile
bifidum
Leptophlebiidae Paraleptophlebia


Leptophlebia

Choroterpes
Habroleptoides
Habrophlebia
submarginata
cincta
werneri
marginata
vespertina
picteti
modesta
fusca
lauta
Ephemerellidae Ephemerella

Serratella
Torleya
mucronata
notata
ignita
major
Caenidae Brachycercus
Caenis
harrisella
macrura
horaria

Literatur

Allgemeine Entomologie

  • Chinery, Michael, 1984. Insekten Mitteleuropas. Paul Parey Hamburg
  • Stresemann, Erwin et al., 2000. Exkursionsfauna von Deutschland - Band 2 Wirbellose: Insekten.Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg
  • Engelhardt, Wolfgang, 1989. Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher? Kosmos Stuttgart
  • Ludwig, Herbert W., 1993. Tiere in Bach, Fluß, Tümpel, See. BLV München
  • Schwab, Helmut, 1999. Süßwassertiere - Ein ökölogisches Bestimmungsbuch. Klett Stuttgart
  • Schrodt, Jürgen, 1998. Insektenkunde für Fliegenfischer. Parey Berlin
  • Reisinger, Walter & Bauernfeind, Ernst & Loidl, Erhard, 2002. Entomologie für Fliegenfischer. Eugen Ulmer Stuttgart
  • von Bredow, Klaus, 1981. Das große Buch vom Fliegenbinden. Albert Müller Rüschlikon-Zürich

Einzeldarstellungen

  • Bauernfeind, Ernst & Humpesch, U.H., 2001. Die Eintagsfliegen Zentraleuropas (Insecta: Ephemeroptera): Bestimmung und Ökologie. Verlag des Naturhistorischen Museums Wien
  • Haybach, Arne, 1998. Die Eintagsfliegen (Insecta: Ephemeroptera) von Rheinland-Pfalz. Dissertation am Fachbereich Biologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
  • Schoenemund, Eduard, 1930. Eintagsfliegen oder Ephemeroptera. Die Tierwelt Deutschlands 19. Teil, Jena.
  • Studemann, Denise et al., 1992. Ephemeroptera. Insecta Helvetica Band 9, Genf.
  • Elliot, J.M. & Humpesch, U.H. & Macan, T.T., 1988. Larvae of the British Ephemeroptera. Freshwater Biological Association.
  • Elliot, J.M. & Humpesch, U.H., 1983. A key to the adults of the British Ephemeroptera. Freshwater Biological Association.

siehe auch

Köcherfliegen (Trichoptera)
Steinfliegen (Plecoptera)
Zweiflügler (Diptera)

Bestimmungsschlüssel für Insektenlarven
Bestimmungsschlüssel für Larven der Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der Steinfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Larven der Steinfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der Köcherfliegen

Saprobienindex
Indikatororganismen

Links

Ephemeroptera Germanica (Dr. Arne Haybach, Mainz) - Die deutschsprachige Seite über Eintagsfliegen!

Lehrstuhl für Tierökologie TU München - Dr. Werner Heitland
Bilder und Videos von Eintagsfliegen - Wasserwirtschaftsamt Freising
Eintagsfliegenbilder von Peter Maihöfer
Rote Liste der Eintagsfliegen Baden-Württembergs
The Electrogena Pages (Dr. Carlo Belfiore, Neapel)
Ephemeroptera Galactica (FAMU's Mayfly Research Group)
Mayfly Central (Purdue University)

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Letzte Aktualisierung: 08. April 2005