Insektenkunde |
Steinfliegen (Plecoptera)
EinleitungDie Steinfliegen - auch Uferfliegen genannt - bilden eine recht urtümliche Ordnung innerhalb der Klasse der Insekten. Weltweit sind ca. 2.000 Arten bekannt; in Europa wurden bisher etwa 400, in Mitteleuropa 130 und in Deutschland 123 Arten nachgewiesen. Körperbau und LebensweiseDie Steinfliegen besitzen als voll ausgebildetes Insekt lange dünne Fühler und am Hinterleibsende zwei meist auffällige Schwanzfäden. Die beiden Flügelpaare werden in Ruhestellung flach nach hinten über den Körper gelegt oder eng um ihn herumgerollt. Auf diese in der Ruhe fächerartig zusammengefalteten Flügel bezieht sich auch ihr wissenschaftlicher Name Plecoptera (vom griechischen plekein = falten und pteron = Flügel). Die meisten Arten entwickeln allerdings nur eine sehr geringe Flugaktivität und bewegen sich bevorzugt laufend fort. Sie entfernen sich dabei nur wenig vom Ufer des Gewässers und halten sich auf Steinen und überhängenden Blättern und Gräsern des Uferbewuchses auf oder klettern im Krautwerk und Gebüsch der unmittelbaren Umgebung umher. Aufgescheucht ergreifen sie meist mit Hilfe der Beine die Flucht und nur selten erheben sie sich in unbeholfen flatterndem Flug in die Luft. Die Mundwerkzeuge der erwachsenen Steinfliegen sind verkümmert und fast funktionsunfähig, weshalb man lange Zeit annahm, dass die Tiere im vollentwickelten Stadium keine Nahrung mehr aufnehmen. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass dies nur für einige Ordnungen zutrifft, die lediglich Wasser zu sich nehmen. Andere Arten fressen hingegen in unterschiedlichem Maße auch als voll ausgebildete Insekten. Die Paarung der Steinfliegen erfolgt auf dem Boden oder dem Uferbewuchs. Dem Paarungsakt geht in manchen Fällen das sogenannte "Trommeln" der Männchen voraus, bei dem diese durch schnell aufeinanderfolgendes Aufschlagen des Hinterleibes auf die jeweilige Unterlage ein klopfendes Geräusch erzeugen. Dieses Trommeln wird in regelmäßigem Abstand alle 5-10 Sekunden wiederholt. Die Weibchen suchen zur Eiablage eine günstige Stelle des Gewässers auf und tauchen dort ihren Hinterleib ins Wasser oder kriechen hinein. Bei einigen Arten erfolgt die Eiablage im Flug entlang der Wasseroberfläche, wobei die Hinterleibspitze eingetaucht wird. Die Larven der Steinfliegen sind den erwachsenen Tieren außerordentlich ähnlich und unterscheiden sich von diesen nur durch das Fehlen ausgebildeter Flügel, sowie die besser entwickelten und funktionstüchtigen Mundwerkzeuge. Am Vorderteil ihres Rückens sind deutlich erkennbare Flügelscheiden vorhanden. Den für ihre Lebensweise erforderlichen Sauerstoff entnehmen sie zum größten Teil durch Diffusion mit der gesamten Körperoberfläche. Einige Arten besitzen zusätzliche Tracheenkiemen, die als haarartige Büschel an verschiedenen Stellen des Körpers sitzen. Die Dauer des Larvenstadiums beträgt für die meisten Arten ein Jahr, einige wenige größere Arten benötigen zwei bis drei Jahre (Perla- und Dinocras-Arten). Während dieser Zeit häuten sie sich 20-30 mal. Die Larven ernähren sich überwiegend vegetarisch, größere Arten leben aber auch räuberisch von Larven anderer Wasserinsekten. Nach Vollendung ihrer Entwicklung - ein Puppenstadium wie bei anderen Insektenordnungen gibt es nicht - kriechen die Larven aus dem Wasser heraus und schlüpfen anschließend aus ihrer Larvenhaut. Ihr Lebenszyklus geht nach der Kopulation bzw. Eiablage etwa 3-4 Wochen nach dem Schlüpfen zu Ende. BedeutungSteinfliegenlarven stellen sehr hohe Ansprüche an die Beschaffenheit eines Gewässers und sind daher gute Indikatoren für die Gewässergüte. Ihr Vorkommen ist in der Regel auf Gewässer der Güteklassen I (oligosaprob, unbelastet) und I-II (gering belastet) beschränkt. Larven und Imagines stellen eine wichtige Fischnahrung dar. In der Fliegenfischerei spielen künstliche Nachbildungen der Fliegen- und Larvenstadien eine wichtige Rolle. Bestimmung der SteinfliegenDie Bestimmung der Steinfliegenarten ist schwierig und selbst für Spezialisten nicht in allen Fällen möglich. In der Regel müssen mikroskopische Merkmale wie der Bau der Fußglieder, Geschlechtsorgane, Mundwerkzeuge und Kiemen, sowie Eigenschaften der Flügel, Schwanzfäden und Fühler herangezogen werden. Bestimmungsschlüssel sind in der angeführten Literatur zu finden. Familien, Gattungen und häufigste Arten in Deutschland
LiteraturAllgemeine Entomologie
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