Familien, Gattungen und häufigste Arten
in Mitteleuropa
| Zu den Rhyacophilidae gehören
in der Gattung Rhyacophila selbst eine Anzahl primitiverer Köcherfliegen. Ihre
Fühler sind so lang oder etwas kürzer als die Vorderflügel und ziemlich dünn. Die
Flügel sind am Ende etwas zugespitzt und zeigen keine Discoidalzellen. Die
Spornzahl lautet 3, 4, 4. Die erwachsenen
Tiere sind leicht an den leuchtend grün und braun gefärbten Körpern zu erkennen. Die
Larven leben frei und bauen weder Köcher noch Netze. Sie jagen am Grunde
schnellfließender Gewässer zwischen Steinen. Die meisten im Gebiet
vorkommenden Arten haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in sauberen
Bächen und kleinen Flüssen. Wenn sie in unbewegtes Wasser gebracht
werden, ersticken die Larven meist innerhalb kurzer Zeit. |
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| Bei den Philopotamidae
sind die Fühler kräftig, ihre Glieder kurz. Die Familie ist durch die Form der
Palpen und das Vorhandensein von Ocellen charakterisiert. Die Flügel sind grau,
rauchbraun oder gelb und braun gefleckt. Die Discoidalzelle
ist stets sowohl im Vorder- wie im Hinterflügel vorhanden. Ihre Larven bauen
Fangnetze und leben in raschfließenden Bächen der Mittel- und Hochgebirge. |
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| Bei den Psychomyiidae
sind die Flügel dicht behaart und gewöhnlich ziemlich einheitlich dunkel gefärbt.
Die Discoidalzelle im Vorderflügel ist
sehr klein und etwa dreieckig, während sie im Hinterflügel gewöhnlich fehlt. Der
Hinterflügel ist viel kürzer und schmaler als der Vorderflügel, dessen Spitze bei
vielen Arten den Eindruck erweckt, als sei sie schräg abgeschnitten. Die
Spornzahl lautet 2, 4, 4. Viele Arten sind
klein und erreichen kaum 12 mm Spannweite. Die Larven bauen gewöhnlich
gewundene, galerieartige, mit
Sandkörnchen bedeckte Gespinströhren, die an Steinen und im Wasser liegenden Holz
befestigt werden. |
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| Der einzige Vertreter der Familie der Ecnomidae - Ecnomus tenellus - kommt auch in
organisch stark verschmutzten Flüssen vor. Die Larven bauen
zylindrische Wohngespinste, von deren beiden Öffnungen
trichterförmig angeordnete Fangfäden ausgehen, welche wiederum
netzartig verbunden sind. Bei Berührung dieser Fangfäden durch ein
Beutetier wird es von der herausstürzenden Larve ergriffen und in die
Wohnröhre gezogen. |
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| Die Vertreter der Polycentropodidae
besitzen dichtbehaarte Flügel. Die Spitze der Vorderflügel ist stärker als in den
übrigen Familien abgerundet. Fast alle Arten haben dunkle, goldgefleckte Flügel. Die
Discoidalzelle ist in den Vorderflügeln
stets vorhanden, kann aber bei manchen Arten im Hinterflügel fehlen. Die dicken Fühler
sind nicht länger als der Vorderflügel. Die Spornzahl lautet 3, 4, 4. Die Larven bauen
Fangnetze und ernähren sich räuberisch. |
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| Bei den Hydropsychidae ist
die Discoidalzelle der Vorderflügel
stets breit und kurz, die Spornzahl
lautet 2, 4, 4. Das Grundglied der Fühler ist kurz und dick. Arten der Gattung Hydropsyche
schwärmen im Sonnenschein, was ungewöhnlich für Köcherfliegen ist. Wie die beiden
vorangegangenen Familien findet man die Hydropsychidae vor allem in
raschfließenden Gewässern. Ihre Larven spinnen Fangnetze, die nahezu
rechtwinklig zur Strömung zwischen den Steinen
am Grunde des Flußbettes installiert werden. Zuweilen streifen
sie aber auch am Gewässergrund herum und weiden das Substrat ab. |
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| Die Glossosomatidae werden
oft als Unterfamilie der Rhyacophilidae betrachtet, unterscheiden sich von diesen
aber durch das Vorhandensein einer Discoidalzelle
im Vorderflügel und die Spornzahl 2, 4,
4. Die Larven leben weniger räuberisch als die der vorgenannten Familie. Die Gattung Agapetus,
die in schnellfließenden Gewässern wohnt, baut aus Steinchen
schildkrötenpanzerförmige Gehäuse, die oben
gewölbt, unten abgeflacht und mit der flachen Seite an Steinen befestigt sind. |
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| Die zu den Hydroptilidae gehörenden
Köcherfliegen sind sehr aktive, kleine bis winzige Arten und können auf Grund ihrer
geringen Größe und der lang fransenartig behaarten Flügel kaum verwechselt werden.
Durch diese Fransen wird die Breite der schmalen Flügel nahezu verdoppelt. Die Fühler
sind relativ kurz und kräftig. Die Vorderschienen tragen keinen oder nur einen Sporn.
Die
Larven ernähren sich mit Hilfe stark umgebildeter Mundwerkzeuge durch Anstechen von Algen
und bauen erst im letzten Larvenstadium ein zartes Seidengehäuse, das manchmal durch
Sandkörner oder Pflanzenstücke verstärkt wird. Durch ihre geringe
Größe werden Larven und Imagines oft übersehen. |
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| Zu den Phryganeidae gehört
unsere größte Köcherfliege Phryganea grandis, mit einer Flügelspannweite von
über 50 mm. Bei den Arten dieser Familie sind die Fühler kräftig und etwa so
lang wie die Vorderflügel. Die Discoidalzelle
ist in beiden Flügeln vorhanden, besonders lang und schmal im Vorderflügel. Die
Spornzahl ist 2, 4, 4. Alle Larven leben in
stillen oder schwach fließenden Gewässern und bauen ihren Köcher aus Pflanzenteilen,
die sie spiralig anordnen. Oft werden auch Schilfstengel als Röhre verwendet. |
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| In Bächen und Flüssen des Flachlandes oder der Gebirge
leben die Brachycentridae. Häufigster Vertreter ist Brachycentrus
subnubilus, der oft in riesigen Schwärmen von März bis Juni, im Norden auch noch bis
August auftritt. Die Larven heften ihre Köcher an Pflanzen an und filtrieren mit dem
kammartigen mittleren Beinpaar Nahrung aus dem Wasser. |
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| Die drei Arten der Lepidostomatidae
finden sich in ganz Europa. Ihre Ansprüche an die Gewässer sind ganz
unterschiedlich: Lepidostoma hirtum bevorzugt keinen Lebensraum besonders; Crenoecia
irrorata ist dagegen stark an Quellen und das Leben auf moosbedeckten, überrieselten
Felsen angepaßt. |
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| Die sehr umfangreiche Familie der Limnephilidae
enthält etwa 120 europäische Arten von ganz unterschiedlicher Größe. Viele Arten
sind fahlbraun mit dunkleren Abzeichen. Die Fühler sind gewöhnlich halb so lang wie die
Vorderflügel, die Basalglieder dicker als die folgenden. Die Discoidalzelle fehlt im Vorderflügel nur
bei den Männchen von Anomalopteryx chauviniana, die Adergabel 4 fehlt stets in
beiden Flügeln. Die Flügel sind nie sehr stark behaart, und viele Arten zeigen typische
durchscheinende Flecke auf dem Vorderflügel. Die Hinterflügel sind besonders
durchsichtig. Die Vorderschiene trägt nie mehr als einen Sporn. Limnephilus ist
die umfangreichste und typische Gattung, Enoicyla dagegen für Köcherfliegen sehr
atypisch, da sie wie bereits erwähnt, in feuchtem Moos am Fuß von Bäumen lebt. Die
Köcher werden aus ganz unterschiedlichem Material gebaut, auch aus solchem, das
normalerweise nicht im Lebensraum der Tiere vorkommt, und können recht groß sein. Die
Arten dieser Familie leben in allen Gewässertypen, hauptsächlich aber in schwach
bewegtem Wasser. |
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| Die Goeridae treten vor allem
in kleineren klaren und kalten Fließgewässern auf und fliegen meist zwischen Mai und
August. |
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| Die Larven der einzigen Vertreterin der Uenoidae
im Gebiet - Thremma gallicum - sind leicht an den
mützenförmigen Köchern aus Sandkörnern zu erkennen, die an Steine angeheftet sind.
Das Verbreitungsareal in Deutschland ist auf eine isolierte Region
in Quellbächen und Quellen des Schwarzwalds beschränkt. |
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| Die Beraeidae sind in
Mitteleuropa nur mit 5 Arten vertreten, die alle schwarze Flügel mit einer Spannweite von
höchstens 12 mm besitzen. Die kräftigen Maxillartaster sind stark behaart und werden
erhoben vor dem Gesicht getragen. Die ziemlich kräftigen Fühler erreichen etwa die
Länge der Flügel. Die Spornzahl lautet
2, 2, 4. Die Arten kommen in flachen fließenden und pflanzenreichen stehenden Gewässern
vor. |
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| Bei den Sericostomatidae sind
die Fühler ziemlich dick, und das kräftige Grundglied ist stark behaart. Die
Maxillarpalpen der Männchen sind aufgerichtet und liegen dicht vor dem Gesicht. Die
Flügel sind gewöhnlich stark behaart. Die Vorderschiene trägt 2 Sporne. Die Larven
leben fast nur in fließendem Wasser und bauen Köcher aus verschiedenen Materialien. |
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| Odontocerum albicorne, die einzige Vertreterin der Odontoceridae im Gebiet, ist leicht durch die graue Färbung
und die schwach gezähnten Fühler zu erkennen. Ihre Flügelspannweite beträgt mehr als
25 mm. Man findet die Art in der Nähe fließender Gewässer, in denen die Larve ein
gebogenes, hörnchenförmiges Gehäuse aus Sandkörnern baut. |
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| Die Molannidae sind im Gebiet
mit 4 Arten vertreten, von denen Molanna angustata die häufigste ist. Die Palpen
sind stark behaart, die Fühler ziemlich kräftig und etwas länger als die Flügel. Die
Larven leben in stehenden oder nur schwach fließenden Gewässern und bauen aus Sand
Röhren, die bei Molanna in charakteristischer Form flügelartig verbreitert sind. |
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| Die Familie Leptoceridae ist
leicht an den sehr dünnen Fühlern, die zwei- bis dreimal so lang wie die Flügel
sind, zu erkennen. Die Fühler sind oft sehr blaß und machen einen silbrigen Eindruck.
Die Tiere sind stark behaart und allgemein dunkel gefärbt. Die Discoidalzelle ist im Vorderflügel
vorhanden, fehlt aber im Hinterflügel. Dieser ist viel kürzer als der Vorderflügel und
mit ihm durch eine Reihe von kleinen Häkchen verbunden. Die Larven bauen schlanke, oft
gekrümmte Sand- oder Pflanzenköcher. |
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Literatur
Allgemeine Entomologie
- Chinery, Michael, 1984. Insekten Mitteleuropas. Paul Parey Hamburg
- Stresemann, Erwin et al., 2000. Exkursionsfauna von Deutschland - Band 2 Wirbellose:
Insekten.Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg
- Engelhardt, Wolfgang, 1989. Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher? Kosmos Stuttgart
- Ludwig, Herbert W., 1993. Tiere in Bach, Fluß, Tümpel, See. BLV München
- Schwab, Helmut, 1999. Süßwassertiere - Ein ökölogisches Bestimmungsbuch. Klett
Stuttgart
- Schrodt, Jürgen, 1998. Insektenkunde für Fliegenfischer. Parey
Berlin
- Reisinger, Walter & Bauernfeind, Ernst & Loidl, Erhard, 2002.
Entomologie für Fliegenfischer. Eugen Ulmer Stuttgart
- von Bredow, Klaus, 1981. Das große Buch vom Fliegenbinden. Albert Müller
Rüschlikon-Zürich
Einzeldarstellungen
- Malicky, H., 1983. Atlas der europäischen Köcherfliegen. Dr. W. Junk
Publishers Den Haag NL
- Tobias, W. & Tobias, D., 1981. Trichoptera Germanica, Bestimmungstafeln für die
deutschen Köcherfliegen - Teil 1: Imagines. Courier Forschungsinstitut Senckenberg
CFS 49 Frankfurt/Main
- Waringer, Johann & Graf, Wolfram, 2000. Atlas der österreichischen
Köcherfliegenlarven unter Einschluss der angrenzenden Gebiete.
Facultas-Universitätsverlag Wien.
- Edington, J.M. & Hildrew, A.G., 1995. Caseless caddis larvae of the British isles.
Freshwater Biological Association.
- Wallace, I.D. & Wallace, B. & Philipson, G.N., 2003. A key to the case-bearing
caddis larvae of Britain and Ireland. Freshwater Biological Association.
- Nógrádi, Sára & Uherkovich, Ákos, 2002. Magyarország Tegzesei
(Trichoptera) - The caddisflies of Hungary (Trichoptera). Pécs.
siehe auch
Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Steinfliegen (Plecoptera)
Zweiflügler (Diptera)
Bestimmungsschlüssel für Insektenlarven
Bestimmungsschlüssel für Imagines der
Köcherfliegen
Bestimmungsschlüssel für Larven der
Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der
Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Larven der
Steinfliegen
Bestimmungsschlüssel für
Imagines der
Steinfliegen
Saprobienindex
Indikatororganismen
Links
Die Köcherfliegenseiten von
Peter J. Neu - Die umfangreichste und informativste deutschsprachige
Seite über Köcherfliegen
Köcherfliegen Baukünstler und Bioindikatoren unserer Gewässer
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