Zweiflügler (Diptera)

Einleitung
Mit ca. 9.200 Arten in Deutschland und
etwa 140.000 Spezies weltweit beinhaltet die Ordnung der Zweiflügler eine fast
unüberschaubare Artenvielfalt.
Körperbau und Lebensweise
Außer der Gemeinsamkeit der beiden
Flügel, die der Ordnung auch den wissenschaftlichen Namen Diptera
gab (vom griechischen di = zwei und pteron = Flügel), gibt es kaum etwas,
das sofort ausweist, dass alle diese Individuen einer einzigen Ordnung angehören. Das bei
den anderen Insektenordnungen vorhandene hintere Flügelpaar ist zu zwei keulenförmigen
Schwingkölbchen (Halteren) zurückgebildet, die bei der Koordinierung der Flugbewegungen
eine Rolle spielen. Bei einigen parasitisch lebenden Arten können die Flügel auch
völlig fehlen.
Die Ordnung der Diptera gliedert sich in die beiden
Unterordnungen Mücken (Nematocera) und Fliegen (Brachycera). Erstere
umfasst die primitiveren und meist schlanken Formen der Schnaken und Mückenverwandten,
bei denen die Fühler relativ lang sind und sich aus einer größeren Anzahl deutlich zu
erkennender Glieder zusammensetzen. Bei den in der Regel kräftiger gebauten Fliegen sind
nur zwei oder drei Fühlerglieder deutlich zu erkennen, der Rest ist mehr oder weniger zu
einer Borste oder einem Stift verschmolzen.
Die Larven der Zweiflügler sind immer beinlos, jedoch können
stummel-, warzen- oder höckerförmige Ersatzorgane vorhanden sein. Bei den Mücken treten
im allgemeinen vier, bei den Fliegen fünf bis acht Larvenstadien auf. Eine große Anzahl
von Arten durchläuft ihr Larven- und Puppenstadium im Wasser. Bei dieser Gruppe erfolgt
die Atmung entweder durch Diffusion über die Haut oder mit Hilfe von Atemröhren bzw.
-öffnungen am Hinterleibsende an der Wasseroberfläche. Die Nahrung besteht im
allgemeinen aus zerfallenden pflanzlichen und tierischen Resten, doch gibt es auch
räuberisch lebende Arten.
Nach der letzten Häutung verwandelt sich das Insekt zur Puppe, die
aber - wie z.B. bei den Mücken - durchaus gut beweglich sein kann. Der Schlüpfvorgang
zum fertigen Insekt vollzieht sich nach dem Aufsteigen der Puppe an der Wasseroberfäche.
Die Entwicklungsdauer kann extrem kurz sein und unter günstigen Bedingungen weniger als
eine Woche betragen, ist aber artspezifisch.
Lebenszyklus der
Zweiflügler
Bedeutung
Es gibt kaum ein Gewässer, in dem nicht Larven der Zweiflügler vorkommen. Aufgrund
ihrer enormen Bevölkerungsdichte stellen sie eine wichtige Fischnahrung dar. Einige Arten
sind sowohl in positiver (Lidmücken - Liponeura) als auch in negativer Hinsicht
(Mistbienen - Eristalis) Indikatoren für die Gewässergüte.
Wichtige Familien in Mitteleuropa - Bestimmung der Arten
Wichtige Vertreter der Zweiflügler
mit wasserlebenden Entwicklungsstadien sind die Familien der Zuckmücken (Chironomidae),
Kriebelmücken (Simuliidae) und Schnaken (Tipulidae). Die Haarmücken (Bibionidae),
welche durch ihren kräftigen Bau einen eher fliegenartigen Eindruck machen, durchlaufen
ihre Entwicklung zwar nicht im Wasser, kommen aber in dessen Nähe zu gewissen Zeiten in
so großen Mengen vor, dass auch sie bei der Nahrung der Fische eine gewisse Rolle
spielen.
Die Zuckmücken sind mit über 1.000 Arten in Mitteleuropa vertreten;
die Schnaken umfassen über 300 und die Kriebelmücken ca. 30 Arten in unserem Gebiet.
Schon aufgrund dieser Artenfülle ist ihre Bestimmung schwierig und bereits die
Identifikation der Gattungen ist nur eingearbeiteten Spezialisten möglich.
Literatur
Allgemeine Entomologie
- Chinery, Michael, 1984. Insekten Mitteleuropas. Paul Parey Hamburg
- Stresemann, Erwin et al., 2000. Exkursionsfauna von Deutschland - Band 2 Wirbellose:
Insekten.Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg
- Engelhardt, Wolfgang, 1989. Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher? Kosmos Stuttgart
- Ludwig, Herbert W., 1993. Tiere in Bach, Fluß, Tümpel, See. BLV München
- Schwab, Helmut, 1999. Süßwassertiere - Ein ökölogisches Bestimmungsbuch. Klett
Stuttgart
- Schrodt, Jürgen, 1998. Insektenkunde für Fliegenfischer. Parey
Berlin
- Reisinger, Walter & Bauernfeind, Ernst & Loidl, Erhard, 2002.
Entomologie für Fliegenfischer. Eugen Ulmer Stuttgart
- von Bredow, Klaus, 1981. Das große Buch vom Fliegenbinden. Albert Müller
Rüschlikon-Zürich
Einzeldarstellungen
- Bass, John, 1998. Last-Instar Larvae and Pupae of the Simuliidae of Britain and Ireland.
Freshwater Biological Association.
siehe auch
Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Köcherfliegen (Trichoptera)
Steinfliegen (Plecoptera)
Bestimmungsschlüssel für Insektenlarven
Bestimmungsschlüssel für Larven der
Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der
Eintagsfliegen
Bestimmungsschlüssel für Larven der
Steinfliegen
Bestimmungsschlüssel für
Imagines der
Steinfliegen
Bestimmungsschlüssel für Imagines der
Köcherfliegen
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Letzte Aktualisierung: 08. April 2005 |